Das Zeitalter des digitalen Buches

keyboard

Das Phänomen „E-Book“ verändert die Bücherlandschaft und wie jede neue Technologie bietet auch das digitale Buch neues Potential, neue Risiken und neue Helden. 

 

Das Ende einer Ära

Die Ära des Buches, so wie wir sie kennen, ist vorbei. Das Buch hat die digitale Welt entdeckt, oder besser gesagt -, die digitale Welt hat das Buch für sich entdeckt. Mit dem Tod des deutschen Schriftstellers und Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki vergangenen Jahres starb auch die alte Bücherwelt mit ihm.

Marcel Reich-Ranicki, geboren 1920 in Polen, war als Literaturkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig. Reich-Ranicki wurde insbesondere mit der Literatursendung „Das Literarische Quartett“ berühmt. Die Sendung wurde von 1988 bis 2001 im ZDF ausgestrahlt und befasste sich mit mehr als 300 Büchern. Obwohl weitere Journalisten und Literaturkritiker an diesen Buchbesprechungen teilnahmen, überschattete Reich-Ranicki seine Kollegen mit seiner direkten Art. Er war authentisch und nahm kein Blatt vor den Mund, wofür ihn das Publikum liebte und wahrscheinlich viele Autoren fürchteten.

Mit dem Ende der Sendung entstand sowohl kulturell als auch intellektuell eine Lücke im deutschsprachigen Fernsehen. Zwar gibt es seither viele Büchersendungen wie etwa den „Literaturclub“ (SRF) oder „erLesen“ (ORF 3), doch die Popularität und Begeisterung, die das „literarische Quartett“ bei seinem Publikum entfachte, können diese Sendungen nicht erzielen. Die Zeiten haben sich geändert und so auch die Art wie Bücher rezipiert werden.

Das Wort im digitalen Format

Um die Jahrtausendwende stiegen das Interesse und der Zugang zum Internet rapide an. Amazon wurde zu einem der beliebtesten Onlinehändler für Bücher.

Während das „Literarische Quartett“ gesamte Familien dazu brachte, vor dem Fernseher zu sitzen, um sich Buchbesprechungen anzusehen, so werden heutzutage Buchrezensionen über das Internet gelesen oder Empfehlungen mittels Blogs oder Twitter ausgetauscht.

Die fortschreitende Digitalisierung machte selbst vor dem Buch kein Halt. Zwar gibt es seit längerem die Möglichkeiten, ein Buch in die Cyberwelt zu transferieren, jedoch ein ganzes Buch auf dem PC zu lesen galt als zu mühselig und umständlich. Mit der Entwicklung des E-Readers konnte der Leser davon überzeugt werden, ein geschriebenes Werk in digitaler Form zu kaufen.

Das E-Book als neuer Wirtschaftszweig

Seit 2006 boomt der E-Book-Markt. Besonders in den USA werden E-Books und E-Reader zu einem Verkaufsschlager. Lagen die Verkäufe der E-Books im Jahre 2006 noch bei 0,5% so wuchs der Anteil für das Jahr 2013 auf 27% an. Etwa jedes vierte verkaufte Buch ist ein elektronisches Buch. Jährlich wird ein Umsatz von etwa 3 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Aufgrund der hohen Verkäufe und der Milliardengewinne kämpfen viele Unternehmen wie etwa Sony, Apple, Kobo und vor allem Amazon um die Vormachtstellung im digitalen Buchhandel. Auch im deutschsprachigen Raum versucht die Tolino-Allianz, bestehend aus Thalia und der kürzlich in Konkurs geratene Weltbild-Verlag, sich als ernstzunehmende Konkurrenz zu etablieren.

Jedoch sind die Verkaufzahlen im deutschsprachigen Raum eher ernüchternd. Während in Amerika der Anteil bei 27% liegt, ist der deutsche Buchmarkt erst bei etwa 15% angelangt. Für Österreich gibt es keine offiziellen Zahlen, jedoch wird ein Marktanteil von 1-4% vermutet.

Der Kampf des selbstständigen Autors

Aber nicht nur Verlage, sondern auch selbstständige Autoren machen sich diesen neuen Aufschwung im Buchmarkt zu Nutze. Anders als in der Vergangenheit, als Bücher noch in gedruckter Form verkauft werden mussten, erlaubt die einfache und billige Handhabung von E-Books dem Autor, eine möglichst breite Leserschaft anzusprechen. Schnell, günstig und unkompliziert.

Die Konkurrenz ist jedoch groß. Jeder fühlt sich heutzutage zum Schriftsteller berufen und träumt von einem Bestseller und eine Karriere als Autor. Vom Teenager bis hin zum Rentner. Oft fehlen die nötigen Ressourcen und Medienkontakte, um für sein eigenes Werk die Werbetrommel zu rühren. Social-Networking über Facebook, Twitter und Blogs sind die einfachsten und schnellsten Wege, um sein Buch zu vermarkten, allerdings nicht unbedingt die erfolgreichsten. Meistens sind es bereits etablierte und bekannte Autoren, die ihre Erfolge ins Internet übertragen können.

Während in Amerika selbstständige Autoren große Verkaufserfolge feiern, ist der deutschsprachige Markt noch weit davon entfernt, verlagsunabhängige Autoren anzuerkennen. Deutschsprachige Autoren wie Emily Bold, Marah Woolf und das Ehepaar Barbara und Christian Schiller bilden noch Ausnahmeerscheinungen.

Nur ein Verlagsautor ist ein richtiger Autor … Oder doch nicht?

Ein Grund für die geringen Erfolgschancen ist unter anderem die mangelnde Berichterstattung über unabhängige Autoren. Die Medien haben den Trend zum E-Book und damit auch zum Indie-Autoren verschlafen oder sie ignorieren ihn teilweise bewusst. Viele Journalisten werden von Verlagen mit Rezensionsanfragen überhäuft oder es besteht eine enge Beziehung mit dem Verlag selbst.

Das „Literarische Quartett“ mit Marcel Reich-Ranicki war in vielerlei Hinsicht eine Art Gatekeeper, der es dem Leser erleichtert hat, aus der Vielzahl von Büchern das Richtige zu wählen. Für das digitale Zeitalter fehlt eine solche Auslese. Die Bücherflut wächst exponential und kaum eine Sendung widmet sich dem elektronischen Buch. In der Hoffnung, das der E-Book Trend eines Tages wieder verschwinden wird.

Das Zeitalter des E-Books kommt

Momentan ist die E-Book-Szene im deutschsprachigen Raum eine Subkultur. Die Autoren sind Teil einer Underground-Bewegung, die noch nach Aufmerksamkeit und den richtigen Worten sucht. In Amerika konnten diese Autoren bereits ansehnliche Erfolge erzielen. Von Amanda Hocking, Hugh C. Howey bis hin zu E.L. James, sie alle fanden ihren Ursprung und ihren Erfolg im Internet.

Derzeit prophezeit man dem E-Book einen durchschnittlichen Marktanteil von 20%, was dem des Hörspiels gleichkommt. Während die Amerikaner den Trend zum elektronischen Buch bereits erkannt haben, so hinken Deutschland und besonders Österreich wieder einmal hinterher. Doch mit der wachsenden Verbreitung von Smartphones, iPhones, iPads und Tablet-Computern wird selbst in diesen Ländern der Erfolg des E-Books kommen.

© Lesenrettet.com

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>